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BEOGA. The Incident.

CD-Rezension von Michael A. Schmiedel

Zwischen Irish Trad und Jazz

Beoga
the incident
(Compass Records, Magnetic Music 2009, www.beogamusic.com, http://compassrecords.com/, www.magnetic-music.com, 11 Tracks,  41.33, mit Fotos und engl. Infos)

Dies ist schon die dritte CD der jungen irischen Band Beoga, die ich in diesem Jahr rezensiere. Sie enthält sieben Instrumentalstücke und vier Lieder, letztere gesungen von Niamh Dunne, die aber auch wieder mit ihrer Fiddle und einer Viola instrumental zur Musik beiträgt. Mit ihr besteht Beoga aus einer fünfköpfigen Stammbesetzung, aber an dieser CD wirken zusätzlich zehn Gastmusiker mit, worunter besonders David Howell mit Klarinette und Saxophon und Linley Hamilton mit einer Trompete sehr zum speziellen Sound dieser Scheibe beitragen. Beoga folgt nämlich dem auch schon in den letzten CDs eingeschlagenen Pfad einer Musik zwischen Irish Trad und American Jazz, wobei der Jazzanteil noch höher ist als bisher, ohne aber den irischen Grundton der Musik zu zerstören. Es bleibt – abgesehen von „strange things“ (Nr. 6) – einwandfrei eine irische Musik mit Jazzanteilen. Diese Anteile aber katapultieren sie von den grünen Hügeln und lauschigen Pups Irlands in die Bars und Konzertsäle der global-urbanen Moderne, und man könnte fast sagen, Irish Trad wird dadurch zu einer neuen Unterform des Jazz, und könnte sogar auf den großen Jazzfestivals aufgeführt werden; warum nicht? Jazz hat viele Wurzeln: Gospel, Spiritual, Blues, Klezmer, ... – und nun vielleicht auch noch den Irish Trad.

Werfen wir doch mal einen Stück-für-Stück-Blick auf die CD: Die ersten beiden Stücke sind Reelsets, ersteres jazzig, zweiteres recht abgehackt gespielt. Niamh Dunn lässt ein coutnryähnlich gesungenes Lied mit weihnachtsmusikähnlichem Zwischenspiel folgen. Nummer 4 ist mein Lieblingsstück auf dieser Scheibe: ein Set aus einem Slip jig und einem Jig, leicht jazzig in Moll, zugleich locker-entspannt und fröhlich, dann aber auch wieder etwas melancholisch gespielt und mit einer lustigen Pfeifmelodie am Schluss ausklingend. Das fünfte Stück beginnt wie eine Filmmusik mit Klezmereinfluss mit Klarinette im Reggaerhythmus mit einer auf Akkordeon gespielten Polka darüber, die dann in einen Reel übergeht und in einem verspielten Klaviergeklimpere ausläuft. In Stück 6 verlässt Beoga zwischendurch mal gänzlich die irische Musik: Niamh singt ein Lied im Gospel-Soul-Stil mit zweistimmiger Klarinettenbegleitung und Dixieland-Zwischenspiel. Doch auf Track 7 wird es wieder irisch: ein quirrliger Akkordeon-Jig- und Reelset, aber mit Trompetenharmonien und Trompete- und Klarinette in jazzigem Zwischenspiel. Einen beruhigenden Gegenpol bietet auf Spur 8 ein verträumter Slow Waltz, der zum Schluss aber in eine bombastische Melodie, ähnlich einer Filmmusik oder einem Classic-Rock-Stück übergeht. Soulig-poppig wird es in der Nummer 9 in einem reelähnlichen, aber etwas langsameren 4/4-Takt und Akkordeon-Einsätzen, die ähnlich klingen, wie Bläsersätze im Soul. Etwas traditioneller ist das vorletzte Stück, ein Reelset, dessen erster Reel aber auch Trompeten dabei und etwas von Ragtime hat und dessen zweiter noch schneller mit dem Banjo gespielt wird. Die CD endet mit einem Lied zwischen Trauer und Hoffnung, Abschied und Vorfreude auf Wiedersehen und lässt und mit einem sehnsuchtsvollen Ausklang dann alleine. Um diese Stimmung wieder etwas fröhlicher zu machen, empfehle ich dann noch mal „mister molly’s“ (Nr. 4) zu hören.

„Incident“ kann mit „Ereignis“ oder mit „Störfall“ übersetzt werden. Ja, es bleibt wirklich dieses Gefühl, das Globalisierungsgegner und Traditionalisten nicht gefallen, aber Freunden einer Kreativität, die Horizonte und Tellerränder übersteigt, ohne die Herkunft zu vergessen, zusagen wird. Für erstere wird es ein Störfall, für letztere ein besonderes Ereignis sein. Meine Einschätzung ist die: Immer vorausgesetzt, dass es immer Musiker gibt, die die engen traditionellen Bahnen nicht verlassen und den ursprünglichen Stil weiterhin pflegen – oder sagen wir lieber, die älteren, tradierten Stile, denn DEN ursprünglichen Stil gibt es ja nicht, sondern alles hat sich mal aus noch älteren entwickelt – wird die jazzige Spielweise von Beoga der irischen Musik sicher neue Zuhörer erobern und so den Fortbestand der irischen Musik sichern, im Sinne einer Weitergabe der Glut und nicht einer Pflege der Asche.


Die Musiker(innen):

Liam Bradley:  Piano, Keys, Triangel
Damian McKee: Knopfakkordeon, Hintergrundgesang
Niamh Dunne: Gesang, Fiddles, Viola
Sean Óg Graham: Knopfakkordeon, Gitarreeen, Bouzouki, Banjo, Low Whistles, Hintergrundgesang
Eamon Murray: Bodhrán, Perkussion

Aine Whelan: Hintergrundgesang
Brona Graham: Banjo
Claire Creelman: Harfe
David Howell: Klarinette, Saxophon
Gareth Hughes: Bass
Hannah Murray: Tin Whistle
Joe Echo: Gesang
Linley Hamilton: Trompete
Sian Evans: Cello
Mudd Wallace: E-Gitarre, Hintergrundgesang


Die Stücke:

1. tamped
2. antics
3. mary danced with soldiers
4. mister molly’s
5. the flying golf club
6. strange things
7. the incident
8. the bellevue waltz
9. on the way
10. fly fishing
11. the best is yet to come


Meine bisherigen Rezensionen zu Beoga:
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoe
Beoga am 4.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/07/konzertrezension-beoga-am-472007-auf.html
4. Folknacht in der KÜZ in Troisdorf-Sieglar mit Dán und Beoga am 23.1.2009
http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=1073
CD: The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html bzw. http://tinyurl.com/cnypa
CD: The Irish Folk Festival 08. Rainbow Expedition
http://www.migrapolis-deutschland.de/fileadmin/Dokumente/Kultur/Folkiger_Rundbrief_Nr__2008-08.doc
CDs: Beoga. a loveley madness & mischief
http://www.migrapolis-deutschland.de/fileadmin/Dokumente/Kultur/Folkiger_Rundbrief_Nr__2009-01_1__01.doc

(Hier veröffentlicht am 25.1.2005.)

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