Peter Finger am 30.10.2009 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

- Das Plakat.
Gitarrenmusik vom Allerfeinsten!
Konzertrezension von Michael A. Schmiedel
Diese Rezension sollte lieber der Rolf Beydemüller schreiben, denn der kennt sich mit Gitarrenmusik viel besser aus als ich. Ich schickte ihm mal meine Zeilen und baute dann seine ergänzenden und korrigierenden Anmerkungen in meinen Text ein.
Peter Finger ist mir seit langem ein Begriff, ohne wirklich zu wissen, was der so macht. Gitarrenmusik, ja, aber was für welche? Nun war er also im Feuerschlösschen, der Weitgereiste, der Tourneen durch die USA und Japan macht und überall gefragt wurde, ob er auch schon im Feuerschlösschen war. Ja, Humor hat er. Diesen zeigte er bei seinen Ansagen, die aber auch eine andere Dimension hatten: Ernsthaftigkeit und Tiefe. So erzählte er, er habe immer eine Frau haben wollen, die aber auch gar nichts mit Musik am Hut hat. Er meinte, eine solche gefunden zu haben, bis sich vor drei Jahren herausstellte, dass sie eine Ur-Ur-Ur-Nichte von Frederik Chopin ist. Dieser Schock inspirierte ihn zu einem Gitarrenstück, und er überwand ihn. Ein Stück widmete er seinem größten Fan: seiner Mutter. Und einmal. so erzählte er, sei er während seines eigenen Konzertes, auf dem er so vor sich hinspielte, weg gedöst und habe geträumt, die Frauen im Publikum seien alle hinter ihm her, und er habe sich gerade so in seinen alten Mercedes Diesel gerettet, den er aber acht Minuten vorglühen musste. So waren seine Worte, aber wie war sein Gitarrenspiel?
Dieser Mann, den sein Konterfei auf den Plakaten um einige Jahre junger aussehen lässt, als er tatsächlich ist (Jahrgang 1954) spielte sein Instrument, wie ich es noch nie sah. Ich meinte immer: was krabbelt da so schnell und behände wie eine Krabbe am Gitarrenhals rauf und runter? Es war seine linke Hand, deren Finger seinem Nachnamen alle Ehre machten. So was schnelles, filigranes, akrobatisches! Manchmal spielte er mit der rechten Hand zugleich die Melodie und die Akkorde dazu. Folk war das eigentlich nicht, sondern eher eine Mischung aus Klassik, Romantik, Jazz, moderner Avantgardemusik, aber sehr wohl hier und da mit Folk- oder Trad-Elementen, wenn man es überhaupt in bestehende Schubladen einordnen will. Und das alles spielte er auf nur einer Gitarre, und die war auch noch selbst gebaut. Von dem Gitarrenbauer Roland Oetter, der sein Vorbild war, und dessen Beerdigung nach dessen Tod durch einen Autounfall an einem wunderschönen Maientag ihn zu dem Stück „Just another day in May" inspirierte, erzählte er auch. Rolf Beydemüller bezweifelt diese Geschichte; aber wer glaubt schon alles, was ein Musiker auf der Bühne erzählt? Und er erzählte von einem großen Gitarrenmusiker aus den USA namens Chet Atkins, der den Boom-Tschaks, eine sehr rhythmische bluegrass-jazzige Spielweise erfunden hat, die er, also Peter Finger, auch ganz gut beherrschte, obwohl er meinte, er könne das nicht. Tschak klingt ähnlich wie Jig, und apropos Jig: Er erzählte, er habe mal zwei Stücke geschrieben und erst später gemerkt, dass es beides irische Traditionals waren, eine Ballade und ein Jig. Nun, der Jig war ein Reel, aber wie pflegt Karlsson vom Dach immer zu sagen: Das stört doch keinen großen Geist! Nein wirklich nicht! Jigs oder zumindest jigähnliche Partien waren in dem einen oder anderen Stück vorhanden, ohne dass er sie extra ansagte. So kamen vielleicht auch Folkies, die zu hohe Tellerränder nicht mögen, auf ihre Kosten. Aber warum zählt Peter Finger Musik überhaupt zum Folk? Das hat wohl damit zu tun, dass er als Sohn eines Klassik-Dirigenten von einer Karriere als mädchenbegeisternder Beatmusiker geträumt hat, dafür sogar eine rote E-Gitarre mit vier Tonabnehmern zu Weihnachten bekommen hat, aber mangels begeisterter Mädchen dann doch zur Akustikgitarre griff, sich in diese verliebte und auf Folkfestivals interessierte Zuhörer fand. Alles eine Frage der Geschichte, nicht der Systematik.
Das Foyer des Feuerschlösschens war übrigens über den letzten Stuhl hinaus gefüllt, und das Publikum forderte zwei Zugaben. Während der zweiten schlich ich mich davon, um nicht noch eine halbe Stunde auf die nächste Bahn warten zu müssen. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht sehr konzerttauglich, das merke ich immer wieder, aber umweltfreundlich, und Musiker brauchen auch saubere Atemluft. (Na ja, wenn ich ein Auto hätte ... ) So verpasste ich einen Teil seines Totentanzes, zu dem er auch eine lange Geschichte erzähle. Wer die hören will, besuche am besten eines seiner Konzerte.
Rolf Beydemüller meinte dann noch in seiner Antwortmail: „Na, und klar, der Peter ist sicher kein Folkgitarrist, aber er begegnet dem Folk wie er allen musikalischen Stilistiken begegnet: mit Offenheit und großem Interesse. Und so finden sich in seiner Musik eben Folkelemente neben klassischen, jazzigen und was-weiss-ich-auch-immer für Elementen. [...] Sonst finde hast Du doch gut gelauscht und das ist für eine Konzertbesprechung viel wichtiger als Fachwissen.“
Und ich ergänze: Aber es ist auch gut, wenn man jemanden mit Fachwissen kennt, den man fragen kann und der auch antwortet!
Links:
Peter Finger:
www.peter-finger.com
Folk im Feuerschlösschen:
www.folkimfeuerschloesschen.de.vu
Rolf Beydemüller:
beydemueller.de
Bildergalerie (Fotos © Schmiedel)
(Hier veröffentlicht am 20.1.2010.)
