Yürekte Kalan Izler : Spuren im Herz
Rezension von Gregor Herberhold
Yürekte Kalan Izler - Spuren im Herz. So der Titel des zweiten „Lesebuchs” des Duisburger Türkisch-Lehrers Mevlüt Asar (57).
Spuren im Herzen - das sind 13 Geschichten aus rund 30 Jahren Leben in Deutschland. Geschichten, die der Wahl-Walsumer so oder in abgewandelter Form selbst erlebt hat, oder wie sie ihm von türkischen Auswanderern erzählt worden sind. Geschichten, die von der Sehnsucht nach der Heimat der Väter erzählen, aber auch von den Schwierigkeiten, sich in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden.
Asar klagt nicht an, Asar erzählt einfach nur „seine” Geschichte(n). Erzählt, wie man sich als Migrant in einem fremden Land fühlt, wie man sich Erinnerungen ans Land bewahrt, das man verlassen hat oder verlassen musste. Er er-zählt von den Träumen der Einwanderer. Kurzum: Geschichten, die Spuren im Herzen hinterlassen haben.
Zwar sind es die Geschichten den Türken, aber: Es könnten genauso die der Jugoslawen, Spanier, Griechen, Italiener, Pakistani, Ceylonesen oder Afrikaner sein.
Erschienen ist das Buch zweisprachig. Alle Kurzgeschichten sind abwechselnd in Türkisch und Deutsch veröf-fentlicht. Asars Muttersprache ist Türkisch – eine Sprache, in der er sehr blumig erzählt.
Auf die Idee, Kurzgeschichten von Migranten einmal aufzuschreiben, haben Mevlüt Asar die Teilnehmer des „Literaturcafes Fakir Baykurt” an der Volkshochschule gebracht. Diesen Kurs leitet der Lehrer. „Es war der Druck der Gruppe”, sagt Asar augenzwinkernd. „Ich bewerte immer die Texte der Teilnehmer. Und dann haben die plötzlich gesagt: Sie kritisieren immer unsere Arbeit. Wo sind eigentlich Ihre Texte?”
Nun können sich also die VHS-Absolventen selbst ein Bild machen. Und natürlich alle anderen auch…
Das Buch ist für 9,80 Euro im Buchhandel erhältlich, ISBN 978-3-86121-365-9 (Verlag Anadolu).
Portrait
Mevlüt Asar wurde 1951 im anatolischen Konya, der Stadt der tanzenden Derwische, geboren. Nach dem Abitur studierte er politische Wissenschaften in Ankara, wurde nach dem Militärtputsch 1971 zweimal verhaftet und verließ deshalb 1977 das Land. Seit 1980 arbeitet er als Türkisch-Lehrer und Übersetzer in Duisburg, seit 1987 an der Gesamtschule Walsum. Zudem ist er Mitarbeiter der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) der Stadt Duisburg und Mitglied des Ausschusses für Multikulturelle Politik in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW. Asar leitet eine Literaturgruppe, die der inzwischen verstorbene Dichter Fakir Baykurt 1992 gegründet hatte.
(Hier veröffentlicht am 26.1.2010.)

