Interreligiöser Gesprächskreis von Religions for Peace Bonn/Köln in Bonn am 3.12.2009
Bericht von Michael A. Schmiedel
Da wir nur zu dritt waren, verschoben wir das vorgesehene Thema „Religion, Spiritualität und Politik“ auf das nächste Mal. Unser kleiner Kreis setzte sich aus einer muslimischen, einer quäkerischen und einer buddhistisch-humanistisch-theistischen Religiosität zusammen.
Es entwickelte sich von selbst das Thema „Integration, Wirtschaft, Sozialstaat, Erziehung“.
Es kam – und das nicht aus muslimischer Perspektive – die Frage auf, ob eine einheitliche Erziehung in einer Gesellschaft sinnvoll sei oder ob man nicht viel mehr einen getrenntgeschlechtlichen Sportunterricht anbieten solle, wenn dieser erwünscht sei. Dabei kam die Frage auf, wem man denn, wenn ein solcher Wunsch aufkomme, den Vorzug geben solle, denen, die einen getrenntgeschlechtlichen Sportunterricht wünschten oder denen, die einen gemeinsamen Unterricht bevorzugten. Egal wie man sich entscheidet, eine Partei hat immer das Nachsehen.
Bei der Schulbildung wurde es als Problem angesprochen, dass die Lehrer keinen Wertevermittlungs-, sondern nur einen Wissensvermittlungsauftrag hätten. Wichtig sei doch eine Werteerziehung zu Solidarität und Gerechtigkeit. Zugleich kam aber auch Kritik daran auf, dass der Staat sich in die Erziehung zu sehr einmische, statt ein Nebeneinander verschiedener Kulturen zuzulassen. Den Widerspruch zwischen diesen beiden Einwürfen lösten wir nicht auf. Einig waren wir uns darin, dass Kindergärten, Schulen und Hochschulen mehr Geld bräuchten.
Wir waren uns auch darin einig, dass die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen arm und reich eine große Gefahr darstelle. Die Reichen müssten höhere Sozialabgaben von ihren Reingewinnen zahlen. Oder das bedingungslose Grundeinkommen könnte ein Weg sein, Ehrenämter und Teilzeitbeschäftigungen zu fördern.
Es ging bei diesem Gesprächskreis also weniger um religiöse Inhalte im engeren Sinne, aber es wurde wieder mal deutlich, wie doch vieles zusammenhängt, was auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun hat.
Den nächsten interreligiösen Gesprächskreis von Religions for Peace Bonn/Köln bei Lioba von Lovenberg, Argelanderstraße 6, 53113 Bonn findet am 4.2.2010, ab 19.30 Uhr statt.
Das geplante Thema ist: „Religion, Spiritualität und Politik“
(Hier veröffentlicht am 27.1.2010.)
