5. Bonner Woche der Kulturen

Das Plakat (BAS)
Eröffnung am 20.11.: Almut Schubert (CR)
Eröffnung am 20.11.: Karin Arens und Carmen Martinez Valdez (CR)
Eröffnung am 20.11.: Karin Arenz, Hıdır Çelik und Senay Duzku (CR)
Eröffnung am 20.11.: Coletta Manemann (CR)
Eröffnung am 20.11.: Michael Schäfer (CR)
Eröffnung am 20.11.: B-Stars (CR)
Eröffnung am 20.11.: Hıdır Çelik (CR)
Eröffnung am 20.11.: Thomas Kufen (CR)
Eröffnung am 20.11.: Senay Duzcu (CR)
Eröffnung am 20.11.: Bücherstand vom FreePen-Verlag (MAS)
Eröffnung am 20.11.: Imke Minrath als Mundschenkin (MAS)
Eröffnung am 20.11.: Publikum (MAS)
Eröffnung am 20.11.: Michael Heveling-Fischell und Moustafa Osh bei der Vorbesprechung für ein Interview für MIGRApolis (MAS)
Eröffnung am 20.11.: Larysa Vorobyova, Marion Rissart, Almut Schubert und Senay Duzku (MAS)
Buchpräsentation Kulturschock am 21.11.: Podium (MAS)
Buchpräsentation Kulturschock am 21.11.: Dieter Flader (MAS)
Buchpräsentation Kulturschock am 21.11.: Sigrun Comati (MAS)
Lesung Alexakis am 22.11.: Der Raum in der Griechischen Gemeinde (MAS)
Lesung Alexakis am 22.11.: Elena Pallanza (MAS)
Lesung Alexakis am 22.11.: Hıdır Çelik, Elena Pallanza und Ionlianos Karamanis, der Vorsitzende der Griechischen Gemeinde Bonn (MAS)
Lesung Alexakis am 22.11.: Bücher von Vassilis Alexakis (MAS)
Lesung Kule Wampe am 27.11.: Teresa Ruiz Rosas (MAS)
Lesung Kule Wampe am 27.11.: Teresa Ruiz Rosas und Zuhörer (MAS)
Lesung Grommidas/Habasch am 29.11.: Giorgios Krommidas und Hussein Habasch (MWS)
Lesung Grommidas/Habasch am 29.11.: Hussein Habasch (MWS)
Lesung Grommidas/Habasch am 29.11.: Publikum (MWS)
Kulturcafé am 30.11.: Giorgios Krommidas und Martin William Stappen beim Frühstück (MAS)
Kulturcafé am 30.11.: Lesung von Hıdır Çelik (MAS)
Kulturcafé am 30.11.: Kleines Mädchen mit großem Interesse (MAS)
Arbeitskraft zum Discountpreis am 1.12.: Suma Sarka und Iris Liedmann (MAS)
Arbeitskraft zum Discountpreis am 1.12.: Gisela Burckhardt, Shahida Sarka und Iris Liedmann (MAS)
Arbeitskraft zum Discountpreis am 1.12.: Podium (MAS)
Arbeitskraft zum Discountpreis am 1.12.: Der Raffzahn (MAS)
Arbeitskraft zum Discountpreis am 1.12.: Einer für alle - Alle für einen! (MAS)

20.11. bis 1.12.2008 - ein Rückblick

Von Imke Minrath, Viola Pohler, Michael A. Schmiedel und Martin William Stappen
Fotos von und © Bahar Akcayer-Schütte, Cynthia RühmekorfMichael A. Schmiedel und Martin William Stappen


Die Bonner Woche der Kulturen bot bei ihrer fünften Auflage ein noch reichhaltigeres Programm als bei den letzten Malen an, ein Wechselbad der Gefühle zwischen herzlichem Lachen beim Kabarett, stillem Genießen bei Dichterlesungen und erschrockener Betroffenheit bei Berichten über unfaire Arbeitsbedingungen. Dieser Bericht wirft einige Schlaglichter auf die Woche.

 

Feierliche Eröffnung der 5. Bonner Woche der Kulturen am 20.11.2008 im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Die Eröffnung der 5. Bonner Woche der Kulturen war dreigeteilt: Grußworte, künstlerische Darbietungen und Büffet.
Die Grußworte sprachen Dr. Hıdır Çelik vom BIM, Dr. Detlev Herbner vom Haus der Geschichte, Karin Arens und Carmen Martinez Valdez vom Ausbildung-statt-Abschiebung e.V., Pfarrer Michael Schäfer vom Evangelischen Kirchenkreis Bonn, Coletta Manemann, die Integrationsbeauftragte der Bundesstadt Bonn und Thomas Kufen, der Integrationsbeauftragte des Landes NRW. Die Moderation hatte Almut Schubert von der EMFA.
Die künstlerischen Darbietungen brachten die Tanzgruppe B-Stars, die krankheitsbedingt leider nur mit zwei der 15 Tänzer(innen) auftraten und die Standup-Comedian Senay Duzcu.
Die B-Stars bestehen aus Jugendlichen, die aufgrund ihres ungesicherten Auftenhaltsstatusses psychosomatische Probleme haben. Das Tanzen ist zugleich eine Therapie und eine Kunst, und zeigte auch bei dieser Minimalbesetzung zu welchen Leistungen und welcher Anmut Menschen fähig sind, die von den Behörden als Problemfälle angesehen werden. Senay Duzcu ist die einzige zugleich weibliche und türkische Standup-Comedian in Deutschland und zeigte auf authentische Weise die Merkwürdigkeiten des deutschen und des türkischen Charakters auf, wobei es viel Gelegenheit gab, über die jeweils anderen zu lachen, aber vor allem auch über sich selbst.
Das Büffet wurde vom Istanbul-Grill in Bonn geliefert, und der Wein kam aus Südfrankreich (Dep. Garde). So ließ es sich trefflich plaudern, austauschen und gemeinsame Pläne schmieden. (MAS)


“Kulturschock: Interkulturelle Hendlungskonflikte westlicher Unternehmer im Mittelost- und Südosteuropa”. Buchpräsentation und Diskussionsforum im Forum der Volksbank Bonn Rhein-Sieg am 21.11.2008 um 17 Uhr

Das war der Tag, an dem in Bonn wegen ein paar Schneeflocken und eines frischen Lüftchens der Verkehr zum Stillstand kam. Dafür war die Veranstaltung noch ganz gut besucht.
Prof. Dr. Dieter Flader und Dr. Sigrun Comati stellten ihr Buch vor, in dem sie Probleme analysierten, die deutsche Firmen mit Niederlassungen in Bulgarien, Rumänien und Polen haben, wodurch es den Zuhörern deutlich wurde, dass trotz geographischer Nachbarschaft in manchen wichtigen Details das Arbeits- und Wirtschaftsleben in diesen Ländern anders abläuft als hier, was zu mitunter lustigen, oft aber einfach teuren Missverständnissen führt, wenn man nicht weiß, auf welche Aktionen die Mitarbeiter wie reagieren.
Wer außer den beiden Autor(inn)en noch an der Podiumsdiskussion teilnahm, können Sie dem Programm entnehmen. Inhaltlich wurde erklärt, ein Kulturschock sei ein Phänomen von Interaktionskrisen, das heißt, was zu Hause ganz selbstverständlich funktioniert, funktioniert in einer anderen Kultur oft nicht oder kaum. Als gutes Mittel, einen Kulturschock abzuwenden, wurde die Beschäftigung mit der Literatur des Landes, in dem man länger verweilen möchte, empfohlen. (MAS)


“Migration und Kreativität: Dialog der Sprachen. Der Fall Alexakis.” Vortrag und Gespräch mit Dr. Elena Pallantza in der Griechischen Gemeinde Bonn am 22.11.2008 um 18 Uhr.

Dr. Elena Pallantza erklärte einem deutsch-griechisch gemischten Publikum die Besonderheiten des in Frankreich lebenden griechischen Autors Vassilios Allexakis. Dieser lebt seit 1961 in Frankreich, war zunächst bemüht, sich dort zu assimlieren, doch merkte alsbald, dass ihn seine griechische Identität einholte. So begann ein innerer interkultureller und zweisprachiger Dialog, der sich dahin auswirkte, dass er auf Griechisch und Französisch schreibt, aber nicht beliebig die Sprache wählen, sondern einiges besser auf Französisch, anderes besser auf Griechisch ausdrücken kann. Auch übersetzt er seine eigenen Bücher hin und her, wobei immer wieder was Neues heraus kommt. Eine Folge seiner Situation zwischen Zerrissenheit zwischen und Beheimatung in beiden europäischen Kulturen war, dass weder Franzosen, noch Griechen ihn als einen der ihren akzeptierten. Er lehnt Stereotypen und Mythenkultivierung ab, sondern schaut selber genau hin und hinterfragt alles. Eine dritte Sprache hat er nie gelernt, bis er mit 60 Jahren begann, Sango zu lernen, eine Sprache aus dem Kongo, um dadurch seine Bilatalitiät zu überwinden. (MAS)

 

„Im Auftrag des Wortes“. Glanz und Finsternis - Erlebnisse aus dem Bosnien-Konflikt. Lesung und Gespräch im Frauenmuseum mit Stefan Tontić am 25.11.2008 um 11 Uhr

Die Veranstaltung im Frauenmuseum war unterteilt in zwei Bereiche: Die Lesung von Stefan Tontić und eine anschließende Podiumsdiskussion.
Stefan Tontić präsentierte einige seiner Gedichte, welche sich mit den Schrecken des Krieges und des Exils vom Bosnien-Konflikt auseinandersetzen.
Seine Werke sind unpathetisch und er präsentierte sie auf eine authentische Art und Weise, die seine persönliche Verarbeitung mit den schrecklichen Erlebnissen während des Krieges verdeutlichen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte der Autor klar, dass er die Kraft für den Widerstand aus seiner Poesie schöpfte. Mittlerweile akzeptieren sich die Künstler aus den Bereichen Kroatien, Bosnien und Serbien und werden auch von der Gesellschaft anerkannt. Die Menschen bemühen sich die Grenzen und den Hass zu überwinden.
Kann hier die Kunst eine Vorreiterrolle spielen? (IM & VP)


„Frauen weltweit“ zum Tag gegen Gewalt an Frauen mit Anne Lütkes im Frauenmuseum mit Anne Lütkes am 25.11.2008 um 19 Uhr

Am 25. November 2008 hielt Anne Lütkes, Mitglied im Deutschen Komitee von UNICEF im Frauenmuseum einen Vortrag über Gewalt an Frauen.
Anne Lütkes beschrieb sehr sachlich in ihrem Vortrag die geschichtliche Entwicklung der Emanzipation und schilderte erschreckende Fakten. Jede 3. Frau hat eine Form von körperlicher Gewalt und Missbrauch mitbekommen. 130 bis 140 Millionen Frauen werden die Genitalien verstümmelt, obwohl es dafür keinen religiösen Hintergrund gibt. 150 Millionen Mädchen unter 18 Jahren werden zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Ein weiterer Teil des Vortrags der Menschenrechtlerin war die Situation der Frauen in bewaffneten Konflikten. Der Körper der Frau wird als eine Art „Schlachtfeld“ missbraucht. Im Kongo zum Beispiel werden die Frauen vergewaltigt, geschwängert  und bewusst mit Aids angesteckt. Der weibliche Teil der anderen Ethnie soll bewusst ausgerottet werden. Abschließend verwies Anne Lütkes auf einige Hilfsprojekte von UNICEF. Diese Projekte zeigen, dass man auch mit kleinen Schritten etwas verändern kann. So geht es unter anderem darum die Bildung der Mädchen zu verbessern, Dorfschulen zu bauen, Lehrer auszubilden und vor Ort über Menschen- und Frauenrechte aufzuklären. (IM)


“Wer fragt schon nach Kuhle Wampe?”. Von der Liebe und anderen Gemeinheiten. Lesung und Gespräch mit Teresa Rosas im BIM am 27.11.2008 um 20 Uhr

Die in Bonn lebende aus Peru stammende Autorin Teresa Rosas hat ein Buch über den Großvater einer Bekannten geschrieben, um diesen zu rehabilitieren, denn er hat seinerzeit einen Film gedreht, der später Berthold Brecht zugeschrieben wurde: “Kuhle Wampe”. Unterwegs zwischen Peru, Bulgarien und Deutschland recherchiert die Heldin des Romans den wahren Begebenheiten hinterher und wird fündig. (MAS)


“Satiren und Karrikaturen in der Migration” Lesung und Ausstellung mit Hıdır E. Çelik im BIM am 30.11.2008 um 11.30 Uhr

Im Rahmen des monatlich am letzten Sonntag stattfindenden KulturCafés eröffnete Hıdır E. Çelik die Ausstellung “Migration in der Karikatur” und las aus seinem Buch “Sa(u)tierisch – satirisch aber ernst” vor. Karikaturen und Texte zeigen die Doppelbödigkeit der Themen Migration und Integration zwischen Humor und tiefem Ernst. Ein achtjähriges Mädchen, das die Veranstaltung besuchte, betrachtete sich ganz intensiv eine der Zeichnungen, auf dem ein Richter zu sehen war, der die Anzeige eines Schwarzen, der von einem Nazi verprügelt worden war, zurückwies, weil jener nicht die Perosonalien des Angeklagten lückenlos nennen konnte, und wir kamen in ein ganz tiefsinniges Gespräch über diese Situation, den Nationalsozialismus, die Judenverfolgung, dem Missbrauch von Symbolen wie der Svastika und so weiter, und ich war bass erstaunt über das Wissen und Denken dieses Kindes. (MAS)


„Lyrik zwischen Realität und Träumen“. Lesung und Gespräch mit Giorgios Krommidas und Hussein Habasch in der Galeria Galeano – Café de arte am 29.11.2008 um 18 Uhr

Am 29.11. gab die Bonner Woche der Kulturen einen Rahmen für "Lyrik zwischen Realität und Träumen" in der Galeria Galeano – Café de arte.
Vor vollem Haus und gut gemischtem Publikum trugen Giorgos Krommidas und Hussein Habasch aus Ihren Gedichtbänden vor. Es war Gelegenheit für Lesende und Hörende sich gemeinsam mit Nähe und Fremde auseinanderzusetzen sowie mit vielen Varianten des Verlustes.
Beide zu hören war Erfahrung und Ereignis, schon deshalb weil hier schonungslos persönliche Fragmente in den Raum gestellt wurden, zu gleichen Teilen Kunst und Leben, so schön wie erschütternd. Die Sprache, wo sie nicht Muttersprache war, zeigte sich umso mehr ganz ihre Sprache – besonders eigen im Charakter und besonders deutlich ihnen hörig. Es ist diese Unverwechselbarkeit und Nähe, die weiter nachklingt. (MWS)
(Zu dieser Lesung gibt es auch noch einen Beitrag von Marjeta-Nina Polak.)


Vortrag und Diskussion: „Arbeitskraft zum Discountpreis“. Näherinnen aus Bangladesh und KiK-Mitarbeiterinnen berichten über ihre Arbeitsbedingungen in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 1.12.2008 um 17 Uhr

Nach so vielen poetischen Veranstaltungen holte uns am letzten Tag der Bonner Woche der Kulturen die harte, ja unglaublich verdammt harte Realität wirtschaftlicher Ausbeutung ein. Nicht selten hört man, dass die Gewerkschaften mit ihren Forderungen den Boden der Realität verlassen hätten und Arbeitsplätze gefährdeten, anstatt sie zu schützen. Und unter Billiglohnländern stellt man sich doch oft vor, dass die Menschen dort zwar weniger verdienten als wir hier, dafür aber auch niedrigere Lebenshaltungskosten hätten, so dass es letztlich schon irgendwie korrekt sei.
Diese Veranstaltung belehrte mich eines Besseren: Um es kurz zu machen: Eine Hilfsnäherin verdient in Bangladesh in 14 Stunden täglicher und sieben Tage wöchentlicher Arbeit in einem überfüllten, stickigen, dunklen Arbeitsraum mit ohrenbetäubendem Lärm, schlechtem Trinkwasser, hoher Syphilis-Ansteckungsgefahr, keinem Urlaubsanspruch, keiner Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, hoher Wahrscheinlichkeit, entlassen zu werden, wenn sie länger als zehn Tage krank ist und obendrein unter der Aufsicht von Vorgesetzen, die auch mal sexuell übergriffig werden, gerade mal genug, um sich die billigsten Grundnahrungsmittel leisten zu können, eine Näherin ungefähr das Doppelte davon. Shahida Sarker, Gewerkschafterin aus Bangladesh und Suma Sarker, Näherin aus Bangladesh in einer Näherei, die für die Textilhandelskette KiK produziert, klärten darüber auf.
Eine namentlich nicht genannt werden wollende Kik-Mitarbeiterin aus Deutschland ergänzte, dass man hier in Deutschland zwar nicht so extrem, aber dennoch ausgebeutet werde, denn sie habe keinen Arbeitsvertrag ausgehändigt bekommen, werde mit ca. 5 Euro Stundenlohn abgespeist, müsse regelmäßig unbezahlte Überstunden machen und so weiter.
Und das alles wird so gemacht, damit wir billige T-Shirts, Hosen, Röcke und so weiter kaufen können bis der Kleiderschrank überquillt.
Nicht alle multinationalen Firmen beuten ihre Angestellten und Zulieferer so aus wie Kik, und es sei als Kunde nicht leicht zu erkennen, welche Firma einigermaßen fair sei, erklärten die Gewerkschafter und Fachleute auf dem Podium, und es sei auch nicht richtig, diese Firmen jetzt zu boykottieren, denn ohne Arbeit gehe es den Menschen noch schlechter, aber man könne die Firmen als Kunde immer wieder darauf hinweisen und die faireren gegenüber den unfaireren Firmen bevorzugen.
Informationen zur dem Dilemma und Auswegen findet man unter http://www.cleanclothes.org/.  (MAS)

 

veröffentlicht am 17.12.2008

 

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